Reittherapie – was ist das?

Die Reittherapie nimmt eine besondere Stellung unter den tiergestützten Therapien ein. Zunehmend setzen Ärzte, Pädagogen, Psychologen, Sprachtherapeuten und Krankengymnasten bei ihrer täglichen Arbeit mit behinderten Menschen oder entwicklungsgestörten Kindern auf die heilenden Kräfte des Pferdes.

Der Begriff "Reittherapie" ist dabei eher irreführend, denn es geht eigentlich nicht primär um das Reiten.  Sehr viel Potential für Entwicklung liegt in der Begegnung  zwischen Mensch und Pferd vom Boden aus.  Diese sehr respektvolle und einfühlsame Arbeit öffnet Räume für Reflektion und Wachstum.

Warum setzten wir aber gerade Pferde ein? Was können Pferde uns Menschen geben? Was ist das Besondere an dieser Arbeit?

Antworten auf diese Fragen finden sich unter anderem in der gemeinsamen Geschichte von Mensch und Pferd. Diese Geschichte ist schon sehr, sehr lange und eng miteinander verbunden. Pferde haben Menschen auf ihrem Weg zur Zivilisation begleitet und diese in großen Teilen sogar erst ermöglicht. Daraus resultiert eine tiefe Verbundenheit.

Noch heute assoziieren wir mit dem Pferd Freiheit, Abenteuer, Mut  und Stärke - aber auch Sanftheit und Treue. Pferde sind Symbol menschlicher Taten, Erfahrungen, Wünsche und Phantasien. Sie sprechen unsere Emotionen in ganz besonderer Weise an.

Pferde sind grossartige Lehrer und kraftvolle Gefährten bei unserem seelischen Wachstum und Heilung. Ihre Kraft, ihre Ursprünglichkeit, ihre Authentizität, ihre Unschuld, ihr Mut und ihre Stärke helfen uns unsere innere Welt wieder zu ordnen und unsere eigene Wahrheit und Authentizität wiederzufinden.

Pferde kommunizieren über Energien, so wie wir Menschen auch, allerdings haben wir häufig den Kontakt und das Vertrauen dazu verloren. Wir hören auf unsere eigenen innere Wahrheit nicht mehr, haben gelernt Emotionen zu unterdrücken und ignorieren unsere innere Stimme.  Dadurch verlieren wir den Kontakt zu uns selbst und dadurch nicht zuletzte auch die Fähigkeit, gute Beziehungen aufzubauen, gemeinsam zu wachsen und unseren Platz in der Gemeinschaft, sei es beruflich oder privat, zu finden.

Pferde sind fürsorglich. Sie sind auch in der Lage uns zu tragen und fördern dabei gleichzeitig Verantwortung und Mut.  Vom Rücken eines Pferdes übertragen sich Schwingungsbewegungen auf den Reiter, die zu einem Bewegungsdialog zwischen Mensch und Pferd führen.

Die rhythmische Bewegung des Pferdes im Schritt ist der des Menschen sehr ähnlich. Sie stimuliert auf körperlicher wie auf geistiger Ebene und integriert den Bewegungsablauf in der Dreidimensionalen.

Haltung, Gleichgewicht und Koordination werden spielerisch trainiert und Selbstheilungskräfte werden aktiviert.

Die Aufgabe des Therapeuten besteht darin, das bestmögliche Setting und damit die Grundlage für eine Besserung oder Heilung herzustellen.

Dazu muss er therapeutische, pädagogische und psychologische Kenntnisse, aber auch fundierte Erfahrung im Umgang mit dem Pferd sowie umfassende reiterliche Kenntnisse haben.